Ein windiger Sommer auf der Ostsee

Neuhof-Pudemin-Lauterbach-Seedorf-Thiessow-Freest-Krumin-Mönkebude-Lassan-Melle-Kröslin-Freest vom 8. bis 20. Juli 2012.

Seit etwa 4 Jahren haben wir schon Seekarten von der dänischen Südsee ... dieses Jahr vielleicht? Ab 8. Juli haben wir uns 2 Wochen Zeit genommen, die letzten Tage dann verschärft den Wetterbericht beobachtete: die Tiefdruckgebiete scheinen fest über der Ostsee zu kreisen, in Meck-Pom. in der Tendenz etwa 1 bis 2 Windstärken weniger ... wir entscheiden uns am Morgen und fahren nach Neuhof, am Strelasund bei Stralsund – eine kurze Anfahrt aus Potsdam, den netten Hafen kennen wir von anderen Törns und das Gespann parkt dort sicher.

2 Stunden brauchen wir noch, um zu slippen, das Boot zu packen und den Mast nochmal zu legen, weil wir vergessen hatten, unseren Radarreflektor an zu bringen (nachdem wir erlebt haben wie undurchdringlich plötzlich aufziehender Seenebel sein kann, fühlen wir uns damit einfach besser). Um 18 Uhr ist es schwühl, der Wind flaut ab – und die Wolken schieben an. Trotzdem legen wir ab, wollen erstmal los, linksrum in die kleine „Störtebecker“-Bucht in der wir vor Jahren waren? – nee, das wäre dem Wetter entgegen, wir laufen ab. Pudemin wäre toll. Es frischt auf, wir denken kurz über Stahlbrode als Schutzhafen nach, biegen dann aber in die geschütze, fjordartige Bucht nach Pudemin ab. Rügen ist doch viel schöner als Festland. Es ist landschaftlich traumhaft, kaum besegelt. Den Hafen erreichen wir gerade so, die Wolkenwand ist jetzt wirklich schwarz. wir machen fest, zerren das Zelt raus und bauen in Windeseile auf. Geschafft. Blitz und Donner gefolgt von prasselndem Regen – wir liegen sicher im Hafen, die Masten der anderen sind deutlich höher (...) und das neue Zelt steht super. Was für ein Raumgefühl. Die Arbeit mit dem Zelt hat sich gelohnt (im Internet hatte ich ein Zelt gefunden, das in etwa auf das Boot passt und es modifiziert: Mastdurchlaß, Schlaufen für die Befestigung am Heck, Abnäher usw.) Insgesamt hat das unsere Reise sehr entspannt, weil wir plötzlich einen Schlechtwetter-Aufenthaltsraum gewonnen haben – nicht zu vergleichen mit der alten, dunklen Tropfsteinhöhle (Persenning über dem Baum). Am nächsten Tag brechen wir auf Richtung Lauterbach, Halbwind auf dem Sund, achterlich dann auf dem Boden, es frischt auf, Schaumkronen wachsen und der Bug taucht immer wieder fast bis zum Dom ein – das ist mir etwas unheimlich ... wir setzen den Spi und der zieht uns gut aus der Welle, bei allerdings sehr flottem Tempo. Die Kombination gerefftes Groß und Spi haben wir häufiger gefahren, sieht vielleicht komisch aus, ist aber super zu handeln. Der Spinaker ist ruckzuck geborgen, viel schneller als ein Reff oder gar Vorsegelwechsel. In Lauterbach liegen wir im alten Hafen schlendern dann in den neuen. Rappelvoll ist der!
Hafenmeister, wie wird das Wetter? Naja, auffrischend, mit Böen. Ach so. Wir hangeln uns an der Küste entlang, der Spi steht gut, aber vor der Einfahrt in den Having steht eine fiese, wackelige Welle – wir bergen den Spi und kreuzen lieber vor dem Wind, dann gehts ins Schilf (sind wir wirklich richtig?) in die schmale Einfahrt von Seedorf. Wenn das kein Piratennest war (ist?) ... ideal! sogar noch mit einer schützenden Untiefe direkt vor der Einfahrt. perfekt für ... wir finden ganz hinten drin am Vereinssteg von „Michels Goedeke“ (also doch :–) ein Plätzchen. Was für ein Kontrast zu Lauterbach: Idylle pur und das Boot liegt wie in Abrahams Schoß.
Am nächstn Tag wollen wir über den Bodden nach Freest, der Himmel sieht allerdings gar nicht gut aus, grau/orange über dem Festland türmen sich die Wolkenberge, von hinten schiebt auch schon wieder eine „Schön-Wetter-schwarz-Wolke“ (so Markus ;–), wir biegen ab nach Thiessow, wo wir sehr unruhig gelegen haben. Hafenmeister, wie wird das Wetter? Wir wollen über den Bodden – na dann los, sagt er. Eine kurze Starkwind-Pause über Mittag dann solls heftig werden. Die Kreuz aus dem engen Fahrwasser ist kniffelig und leider brummen wir auf dem Tonnestrich auf. Mist. Wind und Wasser drücken mächtig, trotzdem sitzen wir ganz schön hoch.
Anker raus, Kiel kurbeln und mit dem 2. Anker verwarpen wir uns mühsam Richtung Mitte des Fahrwassers – doch da kommt ein riesiger Tonnenleger von See auf uns zu, viel zu groß für dieses Fahrwasser – vielleicht will er uns helfen?
mhm. etwas zu groß. Nein – er wirft vielleicht 20 Meter neben uns eine Untiefentonne ins Wasser, rangiert mühsam um uns rum und schnautzt uns schließlich per Megafon an, wir sollten abhauen und ihn nicht bei der Arbeit stören. Die beiden Arbeiter auf dem Deck schauten uns interessiert zu. Ich brülle zu ihm, rüber wir seien schließlich zuerst auf dem Flach gewesen – die beiden Arbeiter grinsten, als sie schließlich abdrehten und UNS nicht mehr störten.
Schließlich segeln wir herrlich über den Greifswalder Bodden, weichen tatsächlich einem riesigen Containerschiff aus, dass wir am Horizont ankommen sahen (stehende Peilung meinte Markus schon eine Stund vorher ganz trocken). Freest hat wieder eine enge Hafeneinfahrt – natürlich müssen wir rein kreuzen. Auch hier sind die Steganlagen im Schilfgürtel, sehr romantisch, ruhig und windgeschützt. Das Deckszelt steht gerade da kommt die erste Husche, dann ein krachendes Gewitter. wie schön im Hafen zu sein. Am nächsten Tag geht es ins geschützte Achterwasser …


ganzer Bericht im Pferdefutter 2/2012

Zurück