Flensburger Förde und Insel Als

Die Sehnsucht nach der See war groß, das schöne Sommerwetter war vorbei und trotzdem hatten wir sehr schöne Tage.

Anreise

Es ist schon dunkel, als wir in Rostock ankommen, noch immer laufen die historischen Schiffe in den Hafen ein und im Rostocker Yachtclub ist Party.

Leider sind am nächsten Tag keine Plätze auf den Fähren nach Gedser mehr frei, also fahren wir von Rostock mit dem Gespann an die Flensburger Förde. Ausgangshafen wird Langballigau, ein kleiner, aber sehr schöner Hafen an der Außenförde.  Am Abend, als wir die Inkus im Wasser und alles eingepackt haben, reißt der Himmel auf. Schön ist es wieder, an der See zu sein, das Kreischen der Möwen zu hören, das uns diesen Sommer in ganz besonderer Erinnerung bleiben wird.

Langballigau - Sonderburg 11.8.2013

Bei zunächst leichtem Wind entschließen wir uns, über die Außenförde auf die Dänische Seite zu segeln. Bei leichter Welle gewöhnen wir uns wieder an das viele Wasser. Hinter uns fährt ein wunderschöner historischer Zweimaster aus der Förde auf die offene See. Wir hingegen steuern bei achterlichem Wind an. Hinter uns von Westen kommt die schwarze Wand. Wir bergen die Segel und schießen vor Top und Takel in den Hafen hinein. Ängstliche Blicke von den Yachten, aber mit einem Aufschießer legen wir elegant am Steg an. Draußen weiße Brecher, die Front erreicht den Hafen, als wir festmachen, Punktlandung schreibt Inken ins Bordbuch.

Sonderborg - Sottrupskov 12.8.2013

Nach einer stürmischen feuchten Nacht steht auch am Morgen noch eine steifer Wind direkt auf der Hafeneinfahrt. Wir verholen das Boot. Großes Hafenkino, als die ersten Yachten unter Motor ablegen. Bevor die Charteryacht Fahrt aufnehmen kann, wird sie vom Wind zurückgetrieben und legt sich quer in die Box, wo eben noch unser Boot lag. Ein einlaufendes Schiff nimmt uns beim Ablegen den Platz zum Kreuzen. Der Wind wird immer heftiger. Wir machen wieder fest und entschließen uns zu einem Spaziergang durch Sonderborg. Bei diesem Wetter muss das Gefühl stimmen.

Gegen 16.00 Uhr sind wir wieder im Hafen, die nächste Front schiebt durch. Als der Regen aufhört, rennen (ja, ich weiß, das soll man nicht) wir vom Clubhaus über den Steg. Wir wollen das kurze Zeitfenster zum Ablegen nutzen. Noch immer steht der Wind auf dem Hafen, aber jetzt legen wir wie geplant ab. Im Stadthafen müssen wir auf das Öffnen der Brücke warten. Das nächste Gewitter  ist gerade über uns, als sich die Brücke öffnet. Wie verrückt paddeln wir durch die Brücke. Bei drehenden Winden mit heftigen Böen kreuzen wir durch den Als Sund nach Norden. Wunderschöne Stimmung, als es ruhiger wird. Wir legen auf dem westlichen Ufer in Sottrupskov an, das ehemalige Hotel ist verlassen, der Nachbau eines Wikkingerschiffs wurde schon einmal zu Wasser gelassen, bevor in der nächsten Woche der offizielle Stapellauf mit dem Köngishaus stattfinden wird. Am Abend kommen noch Michi und Marc mit ihrer kleinen Yacht, mit denen wir uns schon in Sønderburg unterhalten hatten. Eine Einladung zum Grill nehmen wir gerne an, wir können aus unser Bierkiste die Biere beisteuern. Spät verabschieden wir uns in sternenklarer Nacht.

Sottrupskov - Dyvik 13.8.2013

Am morgen blauer Himmel, wir genießen noch immer die Idylle und packen in aller Ruhe. Wir legen ab und denken noch darüber nach, ob wir das Reff ausbinden sollen, als der Himmel grau wird. Auf dem Als Fjord vor uns ist das Wasser schon vom Wind flachgedrückt. Ein heftiger Ritt auf die andere Seite des Fjordes mit immer neuen Windstößen, Inken steht neben mir im Trapez, aber dann reißt der Himmel wieder auf, wir wenden. Gegen Wind und Welle kreuzen wir durch den Als Fjord, bis wir mit achterlichem Wind in die Dyvik ablaufen können. Vor dem nächsten Schauer machen wir fest. Wir bereiten ein gemütliches Abendessen unter blauem Himmel; der Hafenmeister zieht pflichtbewußt den Danebrog ein, Idylle pur.

Hafentag Dyvik 14.8.2013

In unserer Juniorsuite genießen wir ein warmes Bett und morgens im Bådhotel ein ausgedehntes Frühstück. Wir bewundern die Gemälde im Frühstückssaal vor hellblauer Holzwand. Mit den Fahrrädern, die wir uns im Hafen kostenlos ausleihen können, erkunden wir die Insel Als.

Dyvik-Horuphav 15.8.2013

Zeitig legen wir ab und meistern die nur wenige Meter breite Ausfahrt aus der Bucht gegen Wind und Strom mit kräftigen Paddelschlägen, bevor uns die Fock auf den Als Fjord zieht. In langen Schlägen kreuzen wir zurück nach Sønderborg. Durch die Brücke lassen wir uns wegen des starken Stroms schleppen. Dann setzten wir die Segel und wollen es aus eigener Kraft schaffen. Mühsames Kreuzen gegen den Strom erinnert an den Rhein vor dem Start, aber als der Wind etwas dreht, können wir die Enge vor dem Schloss endlich passieren. Wenig später fallen wir ab, können den Spi ziehen und Horupshav ansteuern. Großes Hallo im Hafen, als wir Martina und Micha aus Köln zufällig am Steg treffen.

Horuphav-Glücksburg 16.8.2013

Es waren drei bis vier Windstärken angesagt, aber der Himmel sah nach mehr aus. Statt über den Belt zu segeln, bleiben wir in der Förde. Wir wollen zu den Ochseninseln. Es frischt immer weiter auf. Der Wind dreht nach Südwest. Wir fliegen an der Halbinsel Hornis mit über 10 Kn/h vorbei, beide ganz nach hinten, um nur nicht in die Welle einzutauchen. Etwas mulmig ist uns schon bei dieser rasanten Fahrt. Der Wind hat auf sechs Windstärken zugelegt, gut, dass wir uns auf unser Gefühl verlassen haben und in der Förde geblieben sind. Auf den Ochseninseln steht eine unangenehme Welle, wir kreuzen weiter und sind froh, als wir im Hafen von Glücksburg anlegen können.

Das berühmte Schloss erwartet uns unverhofft mit einem Konzert des estnischen Nationalchors. Noch nie habe ich Sänger gehört, die das Schreien der Möwen so beeindruckend in ihrem Gesang darstellen können. Bei einem Bier im Flensburger Segel Club klingt der Abend aus.

Glücksburg -Marina Minde 18.8.2013

Nach dem gestrigen Hafentag regnet es am Morgen erneut in Strömen. Als es am Nachmittag aufreißt, segeln wir in gut einer Stunde die rund 7 Meilen nach Marina Minde auf die dänischen Seite der Förde. Mit voller Fahrt gleiten wir etwas zu schnell in den engen Hafen, schießen auf und bergen die Segel. Unter blauem Himmel mit viel Wind erkunden wir zu Fuß das Ufer. Die wechselvolle Geschichte dieses Grenzlandes zwischen Deutschland und Dänemark ist überall zu spüren; wie gut, dass unsere Generation in einem friedlichen Europa mit offenen Grenzen leben darf.

Marina Minde - Gelting 19.8.2013

Der Wind hat sich gelegt, nach ausgiebigen Frühstück mit frischen Brötchen legen wir erst gegen Mittag ab. Wir schleichen bei leichtem Ostwind durch die Außenförde und genießen die Ruhe auf dem Wasser. Als der Wind völlig einschläft, paddeln wir in eine Bucht, müssen aber feststellen, dass sie viel zu flach ist und wir hier nicht gut liegen würden. Mühsam suchen wir den Weg durch die Untiefen zurück ins offene Wasser. Ein leichter Nord-West kommt auf und wir können 40 Minuten unter Spi in den Abend nach Gelting segeln. Ganz hinten im Hafen finden wir einen sicheren Liegeplatz. Bevor es richtig dunkel wird, steht das Zelt und im Fährcafé wird uns ein wunderbares Abendessen serviert. 

Gelting-Langballigau 20.8.2013

Wir kreuzen aus dem engen Hafen hinaus wieder auf die Förde. Vor uns der Kalkgrund Leuchtturm, Inken steht im Trapez und versucht die Wellen zu fotografieren. Wieder kreuzen wir gegen Wind und Welle zurück zum Ausgangshafen. Noch einmal ein wunderschöner Segeltag mit vier Windstärken, bevor wir unter Segeln direkt an der Slippbahn in Langballigau anlegen können. 

Mit Wehmut denke ich an diese schönen Tage auf der Ostsee, das Segeln durch Wind und Welle zurück, direkt über dem Wasser zu schweben oder das Schiff durch die Wellen zu steuern. Ich freue mich schon auf unseren langen Törn im nächsten Jahr.

Markus Willkomm, inkus GER 2396

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