Törnbericht Dänemark

Wir kamen aus Sneek, einer Kleinstadt im Niederländischen Friesland. Die Sneekweek endete vorzeitig, da die letzte Wettfahrt wegen einer Unwetterwarnung nicht gestartet wurde und wir bereits am frühen Nachmittag die Schiffe reisefertig hatten. Die Reise war lang und regnerisch,sintflutartige Güsse sind die passendere Bezeichnung. Charlotte, Henk, Olaf und ich kamen mit Charlotte und Capriole am Haken am späten Abend im Yachthafen von Gelting Mole an, eszu einer kurzen Begrüssung von Anne und Hugo, danach verkrochen wir uns in die Schlafsäcke und erträumten uns
schon mal einen sonnigen Morgen.

Die Skippi 650 Grete S. lag bereits eine Woche in diesem Hafen und konnte nur an einem Tag in der Flensburger Förde gesegelt werden. Sie ist ein rankes 6,5 m langes Schiff mit Hubkiel, dass sich erst eine Saison im Besitz von Anne und Hugo befindet. Grenzerfahrungen haben Boot und Crew noch nicht miteinander gemacht. Den sonnigen Morgen gab es ebenso wenig wie an den kommenden Tagen. Das Wetter der gesamten Tour sollte sich nicht wirklich bessern. Es gab immer zu viel Regen und meistens zu viel Wind. Oft Sturm, auch schon mal Orkan. Nie Flaute.

Nach gutem Frühstück unter dem Dach des örtlichen Grillplatzes machten wir uns auf die Suche nach einer geeigneten Slipbahn und einem Supermarkt. Der Einkauf erledigte sich fast von allein, auch die Verteilung der Schätze. Schließlich haben alle Erfahrungen im Dosenkochen und Teilen von Überlebenselixieren. Die Wasserung der Sailhorses erwies sich als deutlich schwieriger. Der erste Versuch in dem netten Verein in Wackerballigau scheiterte, nachdem die Masten errichtet und die Sachen an Bord verstaut waren, weil die Ostsee zu wenig Wasser hatte. Durch den ständig mäßig bis stark wehenden Wind war wohl das meiste Wasser zwischenzeitlich nach Finnland verblasen. Oder nach Russland.

Jedenfalls kam „Charlotte“ nicht ohne Gewalt vom Trailer. Erst rohe Gewalt von nicht unerheblicher Manpower   sie in den Sand. Der Versuch Sie durch Krängung mit Trapezkünsten in freies Wasser zu zerren schlug fehl. Ich, es wurde nicht ausreichend Lebendgewicht zum gerichteten Einsatz gebracht. Wir hatten keine Wahl, die Masten mussten wieder gelegt und die Trailer straßentauglich gemacht werden. Die nächste Möglichkeit befand sich circa 25 km westlich – die Marina im Jaich Langballigau. Uns kam es fast paradiesisch vor. Von der ausreichend steilen Slipbahn bis hin zu den fast ausreichend tiefen Boxen. Nur Charlotte stemmte sich zu Beginn der Nacht in den Schlick. Wir versöhnten uns mit den Ereignissen des Tages, nötigten die Damen des Restaurants tatsächlich, uns vor ausgewiesenem Küchenschluss doch noch etwas zu brutzeln und krauchten unter die Persenning. Natürlich in der Hoffnung auf einen sonnigen Morgen.

Türcode zur Dusche vergessen, Regen, aber: Frische Brötchen und Unterschlupf beim Fishburger-Imbiss unter dem Pavillon gemeinsam mit den schnorrenden Hafenenten. Nach ausgiebigem Studium der Seekarten beschlossen wir, in Richtung Hørup Hav auszulaufen und uns mit Grete.S am Ausgang der Geltinger Bucht zu treffen. Hat nicht geklappt. Das Treffen mit Grete.S. Anne war noch nicht vom Gelingen der Überfahrt überzeugt.

Charlotte und Capriole liefen gegen 13 Uhr aus und machten einen schönen Schlag an die Südküste der Insel Als. Wir genossen die Sonne und eilten bei 5-6 Bft. durch die Flensburger Förde, verließen die Deutschen Hoheitsgewässer, 11 Pferdefutter Törnbericht Ute Haußmann/Capriole ließen Sonderborg links liegen und liefen gegen 15:30 Uhr nach 11 sm in Hørup Hav ein. Der Navigationsfehler der „Grete.S“ wies die Richtung der kommenden seglerischen Aktivitäten. Grete.S ergatterte mit Mühe eine freie Box in der Megamarina Sonderborg und entschloss sich erst in den Abendstunden, auch in Hørup Hav einzuklarieren. Wir begrüssten unser Mutterschiff auf Zeit und ließen alle unsere Massen auf der kleinen Skippi nieder. Sie sank nicht und sollte uns mit ihrem Komfort in der kommenden Woche eine etwas geschützte Unterkunft zu allen Tageszeiten bieten. Auch Zuladung von Getränken gegen die Depression waren noch möglich.

Am 10. August beschlossen wir Hafentag zu machen. Nicht dass der Ort so reich an Attraktionen oder der Hafen außergewöhnlich viel Sehenswertes aufwies, wir hatten keine guten Bedingungen für unsere kleinen Schiffe: Windstärken zwischen 7 und 8 Bft. mit der Ankündigung von Böen. Die Welle stand einigermaßen hoch und die Aussichten des Seewetterberichts nicht ermutigend. Letztendlich ausschlaggebend für unsere Entscheidung war der Crewzustand der Grete.S – der eine Wein in der Entspannung des Vorabends war wohl schlecht. Wir nutzten die Ruhe für Spaziergänge und überprüften den Reifezustand der Brombeeren und statteten dem einzigen Café „Lille Hav“ einen weiteren Besuch ab, außer Pizza kann man besonders das Brathähnchen empfehlen. Mit dem Entschluss, unbedingt am nächsten Tag auszulaufen, beschlossen wir den Tag. Die Entscheidung für die Passage des relativ geschützten Alssund war grundsätzlich gefallen. Damit rückte die Südsee immer weiter in die Ferne. Der Schlag über den Kleinen Belt wäre bei den Bedingungen mit der beständig hohen Welle unverantwortlich für Schiffe unserer Größe gewesen.

Die Nacht brachte erneut stürmisch aufgefrischte Winde mit Regenschauern. Morgens wurden wir von Sonnenstrahlen überrascht, aber Anne teilte unseren Optimismus nicht und beschloss, Grete.S hat einen weiteren Hafentag! Noch nicht ausgesprochen, doch für alle spürbar.

Der Wind hatte etwas nachgelassen. Ein Blick auf die Karte sagte uns, dass die schlimmste Stunde die erste wird. Falls unsere kleine Flotte Wind und Welle nicht trotzen kann, haben wir jederzeit die Möglichkeit nach Hørup Hav zurück zu kehren. Bei 5 Bft. machten Charlotte und Capriole 12:15 Uhr die Leinen los und kreuzten nach Sonderborg auf. Bei der Einfahrt in die Enge von Sonderborg durchquerten wir ein Regattafeld von Folkebooten, Ynglings und ??? (mir nicht bekannte Bootsklasse). Wir machten in ruhigem Wasser vor der Strassenbrücke fest – das Schlimmste für diesen Tag glaubten wir überstanden zu haben. Pünktlich 14:08 Uhr öffnete sich die Strassenbrücke über den Sund und wir segelten ruhig dahin. Ich hielt Ausschau nach dem Grunewaldturm, so ähnlich war das Revier der Havel. Mit Halbwind und schöner Gleitfahrt nahmen wir bei 4 Bft. Kurs auf Augustenborg. Nur mit Fock konnten wir bis in die Box des kleinen Yachthafens gegen 16.30 Uhr einlaufen. Insgesamt legten wir 15,5 sm zurück. Anne und Hugo begrüssten uns auf dem Steg. Sie hatten den verträumten Hafen zu Fuß erreicht und wir verabredeten gleich den Treffpunkt für den folgenden Tag auf dem Wasser am anderen Ende des Augostenborgfjords. Die Zeit sollte telefonisch abgestimmt werden. Sachen trocknen, entspannen und dann schon gleich wieder Regen, also, Suche nach einem Restaurant. Auch dieser Ort sehr überschaubar. Wir landeten in einer Pizzeria und wurden zumindest satt. Die Nachruhe hatten wir uns verdient und mangels Ablenkungen begannen wir unverzüglich damit.

Kaum zu fassen, der 12. August begann erneut mit Segelwetter, der Wind hatte auf Nordost gedreht und gestattete uns 12 Uhr mit Spinnaker den schmalen Augustenborgfjord wieder hinauf zu segeln. So schön kann Urlaub sein! Wir telefonierten mit Grete.S, die gerade Sonderborg passierte, segelten ihr entgegen, um erstmals in voller Flottenstärke den Weg nach Norden anzutreten. Ziel sollte die Bucht von Dyvig sein. Bei guten 4 Bft. segelten wir insgesamt 16,5 sm und machten bei Regen ca. 15:15 Uhr fest. Die Wetteraussichten für die nächsten Stunden waren katastrophal. Froh waren alle, sternförmig am Stegkopf beieinander zu liegen. Wir tranken uns die Bedingungen schön und hatten die Hoffnung auf die Reise durch den Kleinen Belt noch nicht ganz aufgegeben. Nur Hugo der eingefleischte Pessimist malte die Zukunft in den schwärzesten Farben.

Die folgenden Sätze haben mit Segelei so gar nichts zu tun. Wir waren zwei Tage eingeweht. Der Sturm tobte mit fiesen Regenschauern. Wanderschuhe hatte keiner dabei. Trotzdem erwanderten wir gleich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen die Region, entdeckten romantische Buchten und stiefelten den zum Teil verlandeten Fjord zur ehemaligen Haupt- und Hafenstadt von Als, Nordborg. Auch ein süsses Städtchen, bietet aber nicht ausreichend Attraktivitäten für täglichen Besuch bei strömendem Regen. Die Moral in der Truppe sank mit jeder Böe und jedem Schauer. Die Nächte waren stürmisch. Der weiter sinkende Wasserstand tat sein übriges. Die Boote hingen in den Leinen und mussten mehrmals in der Nacht runter gelassen werden. Eine Bremer Yacht in einer Box ganz innen im Hafen lag morgens hoch und trocken. Zum Glück lagen die Sailhorses links und rechts der Grete.S – ohne den Bugkorb der Skippi hätten wir den Steg nicht mehr erklimmen können. Und das ohne Bordtoilette. Ich erwähne auch nicht mehr die Gruselansagen des Seewetterdienstes. Alle ,die diesen Sommer auf der Ostsee waren, kennen den Wortlaut. Das aktuelle Datum kann sich jeder selbst einsetzen. Nicht mal kurz segeln „nur zum Spaß“ kam in Frage. Selbst die örtliche Mittwochsregatta konnte nicht zum Ende gebracht werden, obwohl die Einheimischen vielleicht mehr abkönnen als wir Binnenschipper, sie hatten auch alle viel größere Schiffe als wir.

Bei einer der zahllosen Stegbesichtigungen fiel uns auf, dass in Dyvig eine große Zahl der Schiffe von der Hauswerft kamen, die Nordborgyachten, schöne Schiffe. Mit allerlei öden Momenten und unter Zuhilfenahme von Getränken gingen auch diese beiden Hafentage vorüber. Allerdings winkte auch das nahe Urlaubsende. Es wurde wenigstens kurz- und zwischenzeitige Wetterberuhigung angekündigt. Irgendwie drehend. Wir zahlten erneut die Hafengebühr, der Hafenmeister konnte den Preis schon aus dem FF ansagen und die Brötchenbestellung ohne Nachfrage notieren.


Am 15. August ein letztes Frühstück im Vereinsheim der gastfreundlichen Segler von Dyvig und bereits 10:33 Uhr waren die Leinen los und bei schwachem Wind dümpelten Grete.S, Charlotte und Capriole bei 2 Bft. aus der Bucht und nahmen Kurs auf Sonderborg. Exakt 14:10 Uhr öffnete sich die Brücke für uns und wir legten an der Promenade an. Wir mussten schließlich einen Scheidebecher trinken. Anne und Hugo mussten zurück nach Gelting und Charlotte, Henk, Olaf und ich hatten Autos und Trailer in Langballigau. Als Ort für das letzte gemeinsame Getränk auf Dänischem Boden wählten wir das Collosseum. Den Platz auf der Terrasse ließen wir gerne anderen Touristen, es regnete mal wieder in Strömen. Gegen 15 Uhr verabschiedeten wir uns und liefen in die Trailerhäfen aus. Der Regen war nur ein Schauer, der Wind frischte etwas auf und steigerte sich aufsagenhafte 3 Bft. Vor uns lag eine schöne Kreuz die Flensburger Förde aufwärts. Die Marina im Jaich erreichten wir ca. 18 Uhr.


Blitzslip, alles verschnürt und bereits dreiviertel acht einen letzten gemeinsamen Imbiss beim Fishburger. Abschied und all die Dinge. Dänische Südsee – wir werden dich besuchen. Vielleicht 2009? Insgesamt legten „Charlotte“ und „Capriole“ in sieben Tagen gerade 66,5 sm zurück.

Ute Haußmann

 

Zurück