Einsam und wunderschön, das nordfriesische Wattenmeers nordfriesische Wattenmeer

Ein lang gepflegter Traum von Inken und mir wurde wahr. Schon oft hatten wir darüber gesprochen, dass wir die Inseln, die wir als Kinder besucht hatten, mit eigenem Kiel erreichen wollten. Vor drei Jahren hatten wir uns nicht getraut. Als wir dann mit der Bahn nach Sylt gefahren waren, war schönstes Segelwetter.


Anreise, 22. Juni 2009

Am Montag in der früh ging es los. Ich hatte in langen Planungen Süderhafen auf Nordstrand als Ausgangshafen gewählt. Der Plan war, ein/zwei Stunden vor Hochwasser zu starten, um mit ablaufenden Wasser aus dem Heverstrom herauszusegeln. Leider hätten wir dann gegen das ablaufende Wasser nach Pellworm aufkreuzen müssen in der Hoffnung,den Hafen zu erreichen, bevor er trockenfällt. Auf der A7 Richtung Flensburg war die Entscheidung noch immer nicht gefallen. Einerseits war die Vorhersage von mehr als vier Windstärken aus Ost grenzwertig, andererseits wußten wir, wenn nicht jetzt dann nie.

Wir haben auch Karten für die Dänische Südsee, ... an der letzten Raststätte vor Dänemark fahren wir nochmal raus und „legen die Karten auf den Tisch“. Wir trauen uns. Neuer Ausgangshafen war jetzt Dagebühl. Laut Seekarte sollte dort eine Slippbahn sein. Das Strandhotel in Dagebühl war Inken wohlvertraut. Ihr Vater übernachtet dort immer, wenn er nach Wyk auf Föhr fährt. Die erste Nacht in einem warmenBett zu verbingen, eine lohnende Aussicht. Bei der Fahrt durch den Hafen finden wir allerdings keine Slippbahn. Erstmal das Hotel klar machen, ein Bierchen auf der Terrasse über dem Deich, wir träumen in die untergehende Sonne und – natürlich – Scholle Finkenwerder Art!

Bei einem Spaziergang am Deich entdecken wir dann noch eine wilde Slippbahn.Wir fragen bei der Rezeption, ob nicht in Schlüttsiel eine Slippbahn sei. Das Navi im neuen Auto weiß die Telefonnummer vom Hafenmeister, „ja, wir haben eine Splippbahn, geht aber nur bei Hochwasser“.

 

Fehlstart, 23. Juni 2009

Nach einem ausgedehnten Frühstück fahren wir nach Schlüttsiel. Das Boot packen wir an Land und fahren auf die Slippbahn. Warten auf das steigende Wasser. Schon steigt das Wasser bis zur Kante, jetzt aber schnell das Boot ins Wasser, die See steigt und steigt, eben war der Trailer noch trocken, jetzt werden die Räder schon überspült. Inken zieht das Gespann nach oben. Ich mach das Boot an der Kaimauer fest. Als sie zurückkommt, ist die Slippbahn schon fast nicht mehr zu sehen.

WIr legen ab, mit Reff – und es flattert ganz fürchterlich. Gerade mal bis zur Hafenausfahrt, da kapieren wir endlich: Segellatten vergessen. Zu Hause in Potsdam. Wenn wir weitersegeln ist das Groß bald zerfetzt, wir müssen umkehren. Etwas blödes Hafenmanöver, mit Strom, ohne Groß treiben wir zügig auf den Fähranleger zu ... die Boxen liegen genau gegenüber. Naja, schließlich mit unseren superlangen Leinen das Boot auf die andere Seite des Hafenbeckens verholt und in eine Box gehangelt. Inken bringt von der Box aus (ablandiger Wind, natürlich) eine lange Leine aus, an deren Ende sich ein Fender befindet. So kann sie, während ich lose die Achterleinehalte, paddelnd, mit dem Bootshaken die Leine einfangen und das Boot in unsere gewünschte Box ziehen.

Die nächste größere Stadt ist Husum, mit einem gemütlichen Seehafen, einer schönen Altstadt und einem alten Wasseschloss, alles sehr nett. Allein ein Segelmacher oder ein entsprechendes Geschäft, Fehlanzeige. Wir geben die Suche auf, genießen den leckeren Fisch und das Bierchen in der Abendsonne am Hafen.

Zurück in Schlüttsiel wird es am Abend recht frisch. Wir sprechen mit einem dick eingepackten Seglerpaar aus der Gegend. Für Segelausrüstung müssten wir nach Flensburg. Inzwischen war das Wasser abelaufen und das Boot fällt trocken. Eigentlich kein Problem, nur hatte der Eigner der Box zwei alte Reifen für sein viel größeres Boot im Schlick vergraben. Unsere Inkus liegt auf einem der beiden Reifen mit Schlagseite in den Seilen, an Übernachten im Boot ist nicht zu denken... Ich übe mich als Schlickmonster und hole die Schlafsäcke aus dem Boot.

 

Schlüttsiel – Langneß, 24. Juni 2009

Am nächsten Morgen fahren wir schon früh durch das verschlafene Schleswig-Holstein nach Flensburg. Der Schriftzug von Nyro Petersen leuchtet über die ganze Förde, so dass wir unseren Segelmacher schnell finden. Wir spüren in dem Betrieb einen guten Handwerkergeist. Die fehlende Segellatte schneidet uns der Auszubildende nach Anleitung des Meisters zu, auch im Detail liebevolle Ausführung. Gegen Halbneun kommt der Praktikant, versucht sich in die Werkstatt zu schleichen, der Meister stellt ihn zur Rede, ob er denn keine Telefon habe, wenn er schon verschlafe.

Wir hingegen ziehen froh mit unser neuen Segellatte von dannen, Hochwasser ist erst gegen 14.00 Uhr, also haben wir noch Zeit für ein ausgedehntes Frühstück im angesagten Cafe der Stadt. Nach der Lektüre aller Zeitungen ist Zeit für einen Gang durch das Städtchen, bevor wir zurück in unseren „Heimathafen“ fahren. Noch immer ist recht ordentlicher Wind. Für den ersten Tag binden wir ein Reff ein. Bei blauem Himmel geht es nach Langness. Achterlicher Wind und Strom schieben uns voran. An Bord ist fast kein Wind mehr, allein die Fahnen am Fähranleger in Langness wehen steif im Wind. Natürlich „frischt“ es auf, als wir den Kurs ändern und auf Halbwind und dann hoch am Wind in die verschlafene Bucht Jelf am Nordrand der Hallig fahren. Noch können wir bequem über die Kaimauer sehen. Das Wasser läuft ab, schon bald ist das verfallene Wrack an der anderen Seite der Bucht Nordsee Bericht inkus zu sehen. Die Sieltore öffenen sich. Kühe und Schafe, in der Ferne einige wenige Höfe auf den Warften, den kleinen Erhebungen auf den Halligen, wir genießen das klare Abendlicht des Nordens auf einem ausgedehnten Spaziergang zum Leuchturm an der Westspitze der Hallig.

Ein Ritt durch das Wattenmeer, 25.6.2009

Am nächsten Morgen hat der Wind weiter aufgefrischt. Noch liegt unsere Inkus fest im Schlick, an der Kaimauer klacken die Muscheln, die Krabben suchen sich ein sicheres Plätzchen. Wir machen noch eine kleine Wanderung auf die andere Seite der Insel. Ein gepflegter Capuccino vor dem alten Bauernhaus, innen wunderschöne friesische Fliesen. Blauer Himmel und viel Wind.

Wir wollen über das Wattenhoch kurz vor Hochwasser nach Wyk auf Föhr. Leider bin ich zu ungeduldig,wir legen viel zu früh ab und sind schon nach wenigen Minuten kurz vorm Wattenhoch. Die gelbliche Farbe des Wassers lässt nichts Gutes ahnen. Im letzten Augenblick entschließen wir uns zu einer Wende. Das Boot richtet sich auf, Sand wirbelt auf und ein kurzer Ruck gehtdurch die Inkus. Schon sind wir wieder im tiefen Wasser. In Sekunden sind wir wieder an unserem Ausgangspunkt. Was jetzt? Entweder außen durchs tiefe Wasser, fast auf die offene See oder warten.

Wir entscheiden, den langen Weg zu nehmen, an den Pricken entlang, Richtung Amrum. Wittdün ist bei der Windrichtung gar keine gute Idee (fühlte sich nur beruhigend an, dort einen Hafen zu wissen, zur Not) – den raumen Kurs bei dem Tempo mag ich ja gar nicht, vor Amrum luven wir an und fahren hoch am Wind gen Föhr. Markus steht im Trapez und schneidet mit dem Oberkörper einige Wellenkämme ab, halt Dich nur gut fest brülle ich, er lacht! Das Boot liegt gut auf dem Ruder, Fock und Reff. Obwohl sehr viel Wasser in der Luft ist, der Bug immer wieder mal eine Welle schneidet, nehmen wir kaum Wasser auf. Schnell rasen wirder Insel entgegen, auflaufendes Wasser gegen den Wind.

Eine stramme 5 dachte ich, es war wohl deutlich mehr... Es zischt nur so. Wir nähern uns Föhr da, kommen ein Katamaran und ein Surfer vom Ufer auf uns zu, Halbwind, und donnern genauso schnell wieder zurück an den Strand. Sonst kein Boot zusehen. Endlich haben wir die Huck im Süden von Föhr passiert und können auf Halbwind abfallen. Die Strandprommenade fliegt an uns vor bei. Aus dem Nichts tauchen hinter uns zwei große Fähren auf, die den Hafen ebenfalls ansteuern.

Trotz des Reffs haben wir so viel Fahrt, dass sie kaum aufkommen. Die Begnung in der engen Hafeneinfahrt wollen wir vermeiden, also noch einmal hoch an den Wind. Es dauert und dauert, bis endlich die Fähren im Hafen sind und wir ebenfalls vor dem Wind in den Hafen einlaufen können. Auf dem Vorschiff kann ich mich gerade mit beiden Händen esthalten, erst als Inken etwas anluft, gelingt es mir, den Karabiner zu öffnen und die Vorleine einzuhängen. Das einlaufende Wasser und der achterliche Wind spülen uns in den Hafen von Wyk auf Föhr.

Wir fühlen uns wie Helden und sind froh, nach einem eleganten Aufschießer im sicheren Hafen festmachen zu können. Das Boot am Schwimmsteg vertäut (das ist Luxus, man muß gar nicht viel denken) Dann der weltbeste Kirschstreussel im Hafencafe „Klein Helgoland“. Ein leckerer Pharisäer erwärmt uns nun auch von Innen.

Anschließend suchen wir ein trockenes Bett, zur Belohnung. Und wir finden eines, mit Sauna – was geht es uns gut!!

Inseltage, 26. und 27. Juni 2009

Am nächsten morgen werden 8 Windstärken gemessen, wir stehen oben am Waschhäuschen und fachsimpeln so rum... Ich bin so glücklich – auf eigenem Kiel nach Wyk, wo ich in meiner Jugend so oft war. Herrlich. Die Milchbar gibt es noch – und da sitzen auch (wie früher) ein paar Wykerinnen in voller Tracht und tüttern sich einen ... aber sonst? Am nächsten Tag radeln wir mit dem Tandem um die Insel und gucken uns das riesige Watt an. Wie bitte? Über diese gigantische Sandfläche nordöstlich von Föhr („Föhrer Schulter“) wollen wir nach Hörnum auf Sylt rübersegeln? Auf dem Friedhof Boldixum Omas Grab gefunden.

Dann Hafenfest mit Fisch und Bier und gaaanz toller Musik... Diese Nacht haben wir wieder unter der Persenning geschlafen, hatte was von Achterbahn.

 

Wyk/Föhr – Hörnum/Sylt, 28. Juni 2009

Am dritten Tag verlassen wir den Hafen bei Sonnenaufgang gegen 5.00 Uhr in der früh. Das Reff ist schnell ausgebunden. Mit dem Frühhochwasser können wir über die Föhrer Schulter rutschen. Wir segeln alle unsere vorher im GPS eingegebenen Wegepunkte in den Prickenfeldern ab. Inken bekommt einen riesen Schreck, als sie sich umdreht. Erst denkt sie, wir müssten an einem großen Stein vorbeigesegelt sein, bevor die Robbe wieder abtaucht.

Wir ziehen den Spinnacker und segeln auf Hörnum zu. Vor der Hafeneinfahrt ganz fieser Strom, wir eiern in den Hafen und werden nett empfangen, ein Clubmitglied hilft uns beim Anleger und begrüsst uns: „Respekt! Mit der Jolle!“ Bestimmt seit 10 Jahren wäre kein so kleines Boot mehr da gewesen. Überhaupt werden wir überall freundlichst  empfangen, alle träumen seelig zurück in ihre Segeljugend. Ja das war noch echtes Segeln! ... aber ehrlich gesagt, ich glaubenicht, dass wir (viel) jünger sind als die Yachtis ;–)

Zu Fuß umrunden wir die Südspitze der Inseln und beobachten die unterschiedlichen Strömungen im Wasser. Wir genießen am stillen Strand den Sonnenuntergang, bevor wir den Abend mit einem Cocktail in der Pianobar ausklingen lassen. Dem teuren Doppelzimmer ziehen wir unser Schaukelbettchen unter der Persenning vor.

Hörnum/Sylt – Wittdün/Amrum, 29. Juni 2009

Nachdem wir aus der engen Hafeneinfahrt herausgekreuzt sind, spült uns am nächsten Morgen das ablaufende Wasser in das Seegatt zwischen Sylt und Amrum. Es ist kaum noch Wind. Wir wären gerne zwischen Amrum und Föhr, innendurch gesegelt, das schaffen wir aber nicht ohne trocken zu fallen, brauchen wir doch für das Wattenhoch Flut, aber für den Hafen Wittdün auch, und der Strom in der Enge zwischen Sylt und Amrum ist auch noch ziemlich stark! Der Wind ist gemäßigt, da trauen wir uns außen herum. Hörnum raus, aber dann: ablaufendes Wasser und achterlicher Wind – ätzend! Wir torkeln wie ein Korken der riesigen Fahrwassertonne am Horn von Sylt entgegen, erstaunlich zügig dann doch – ich verstehe jetzt warum an dem Küstenabschnitt das Baden verboten ist!

Schließlich paddeln wir ein Stück und kommenendlich in ruhigeres Wasser. Wir wollen knapp an der Insel entlang in einer Rinne segeln – das betonnte Fahrwasser führt viel weiter raus. Ich scanne mit dem Fernglas den Horizont ab (ist da wirklich schon England ;–) und sehe auf der Amrum vorgelagerten Sandbank „Jungnamen“ Robben! Also doch außen im Fahrwasser die Insel umrunden. Herrlich, diese Robben. Wir gleiten leise an Ihnen vorbei – wer beobachtet hier eigentlich wen? – und sind glücklich über diese Begegnung.

Rütergat. Bei strahlend blauem Himmel liegt Amrum an Backbord. Bei einer leichten Briese segeln wir um die Südspitze der Insel. Großartiges Gefühl, von See kommend in das Fahrwasser östlich von Amrum einzulaufen. Mit dem auflaufendem Wasser passieren wir Wittdün, Inken meint mal wieder, wir wären viel zu früh. Im Nachhinein gebe ich ihr Recht. Wir hätten im Jungnamensand bei den Robben ankern sollen. In der Hafeneinfahrt laufen wir dann doch noch auf. Wir bergen in aller Ruhe die Segel. Als das Wasser steigt und wir die Box anlaufen können, ist das Boot schon klariert.

Ja, lange Leinen sind hier wieder sehr praktisch. Hier im Hafen hat sich 3 Tage nichts bewegt, wir sind die ersten Neuankömmlinge – der Sturm vor ein paar Tagen hat hier allen sehr zugesetzt. Wo liegt eigentlich „Saltkrokan“? Es ist hier wie im Märchen. Einen herrlichen Inseltag machen wir, laufen die ganze Insel über Nebel, den Strand hoch ... und am Watt entlang wieder zurück, die Busse fahren doch eher selten. Pferde stehen überall rum. Wir werden schon wehmütig,unser schöner Törm neigt sich seinem Ende zu, wohin den letzten Schlag? Langneß nicht, kennen wir schon, Hallig Hoge ist wegen Hafenarbeiten gesperrt, bleibt nur noch Pellworm – ganz schön weit, denn der Hafen Tammensiel ist auf der südostlichen Seite von „Pelle“.


1.Juli_Amrum–Pellworm

Um 12 legen wir ab, gegen 18.30 wollen wir in Pelle ankommen. Gemächlich geht es los, es frischt auf und wir sind schon wieder zu schnell für unsere Berechnungen. An Hooge vorbei ist das Fahrwasser nördlich Pellworm doch ziemlich eng, schließlich fallen wir ab – Markus steuert uns super auf dem wackligen Vorwindkurs.

Und zu schnell, viel zu schnell. Was machen wir bloß? Hier irgendwo ankern? Oder in der Nähe er Hafeneinfahrt ankern? Weitersegeln Richtung Nordstrand? Aber dann ist der Schlag nach Schlüttsiel ja ewig weit, wir könnten zur Not natürlich auch das Gespann in Schlüttsiel abholen und hier slippen... Um 16.00 Uhr schon an der Einfahrt nach Tammensiel, eine Stunde nach Niedrigwasser!

Nachdem wir zweimal vor Pelle über Rungholt, dem sagenumwobenen Grund hin und her gekreuzt sind, verlässt uns die Geduld. Der Legende nach soll unter Rungholtsand ja auch der Eingang zur Hölle sein. Die Geschichten erzählen, dass die sündhaften Rungholter daneben eine „ihrer gottlosen Schwelgereien“ abhalten. Wir kreuzen in dem super engen Fahrwasser Richtung Tammensiel an den Pricken entlang. Natürlich kommt der Wind aus NordNordwest.

Fischerboote kommen uns entgegen, Regattatraining!, wir können schon fast in den Hafen gucken da setzten wir auf, nichts zu machen. Anker raus, Segel runter und auf Wasser warten. Plötzlich war es viel ruhiger – beim nächsten Mal ankern wir an weniger exponierter Stelle ... Über eine Stunde warten wir auf Wasser und segeln dann in den Hafen. Die Abendsonne wärmt noch schön, Markus besteht darauf, die Salzkrusten von Bord zu spülen – unbequem, aber er hat recht! Der Fisch im Hafenlokal schmeckt hervorragend und gekühltes Bier! Wir schlafen gut an Bord – am morgen liegt das Boot dick und fett im Schlick, mit Hangelleine zur Treppe. Wie gesagt, 3 Meter 50 hüpf‘ ich nicht mehr hoch!

 

2. Juli_Inseltag auf „Pelle“

Wir machen einen letzten Inseltag, mieten uns wieder ein Tandem. Alle scheinen uns zu kennen, auch der Fahrradverleiher (Ihr seid doch die mit dem schnellen, kleinen, blauen Boot). Auf Pellworm könnte man meinen, haben sie die Solardächer erfunden. Und Schafe natürlich. Wir genießen die Insel, die überaus freundlichen Bewohner und wollen „nie wieder weg“.

Am frühen Abend sitzen wir wieder in unserem Stammlokal am Hafen. Die Fischerboote machen sich klar zum Ablegen, als das Wasser im trockengefallenen Hafen wieder steigt. Bevor die Leinen los sind, kommt die Frau des Fischers aus der Küche und verabschiedet ihren Mann  mit einer herzlichen Umarmung. Wir fühlen uns wie in einem Heimatfilm
der fünfziger Jahre.


3. Juli_Tammensiel/Pellworm–Schlüttsiel (Ausgangshafen)

Der Abschied war herzlich, am Steg sprechen uns noch 2 alte Herren an: „ja, früher ...“ und „Mensch, das ist noch segeln, was ihr macht ... ihr könnt übrigens abkürzen, an der 14 Pricke schon aus dem Fahrwasser und dann auf die 3. Hallig von links zuhalten, bis an die Fahrwassertonne, aber dann im Fahrwasser halten.“ – hm, denke ich laut, ich weiß nicht, ob wir uns das trauen, und kurz nach dem Ablegen schon einzuparken ist doch etwas demoralisierend. Die beiden legen kurz vor uns ab, unter Motor. Der Wind hat gedreht auf Süd, Wetterwechsel, Zeit nach Hause zu kommen. Wie verrückt winken sie uns an der 14 Pricke raus, und leiten uns im Zickzack durch die Untiefen. Unter Segeln sind wir nicht ganz so spontan im Wieseln, die „Jungs“ wirbeln mächtig Sand auf (haben 80, wir 90 cm Tiefgang) Wir hängen weit über die Kante in Lee um mit Krängung über die kleinen Huckel noch rüber zu rutschen – dann drehn die „Jungs von Pelle“ ab, hatten bestimmt großen Spaß am Lotsendienst, und wir auch!

Als wir wieder im Fahrwasser sind, sehen wir in weiter Ferne den Holländer mit seinen braunen Segeln, der schon am Morgen abgelegt hatte. Na, da haben wir doch ein Ziel. Noch weht ein leichter Wind und schnell haben wir den Segler vor uns erreicht. Im Fahrwasser südlich vor der Hallig Gröde-Appeland schläft der Wind ein, der Strom kippt. Inken nimmt ein kühles Bad in der See. Obwohl das Wasser schon abläuft, nehmen wir die Abkürzung und schleichen uns Richtung Norden über die Sande westlich der Hallig.

Es wird ein langsamer Heimritt ... langsam, wehmütig, viel Zeit haben wir, diese wunderschöne Gegend zu betrachten ... schließlich schleichen wir mit Spi einen Knoten über Grund, gegen das ablaufende Wasser, weil wir zu spät an der richtigen Stelle waren. Das hatten wir noch nicht! Dafür haben wir vom Boot aus gebadet, ein Robbe hat mit uns gespielt, der Himmel blau, Törnpläne fürs nächste Jahr gemacht und dann mit stark gekrängtem Boot über die letzte Untiefe vor dem Hafen gerutscht – das Hafenbecken voll Wasser, die Slippbahn noch trocken und 3 Meter über uns. Wir räumen das Boot aus, packen schonmal das Auto, können bald das Boot schon an die richtigen Wartepoller binden und warten auf Wasser. Ein wilder Himmel, orange, knallrot, windstille – da kommt Wetter, und wir im sicheren Hafen.

Um 23 Uhr schließlich habe wir das Boot raus gezogen und reisefertig auf dem Trailer vertäut. Und jetzt? Hier zelten am Hafen? Wir wollen aufbrechen, nicht mehr aufs Wasser gucken, sonst werden wir traurig. Es war so schön! Wir fahren ein kleines Stück, überlegen am Fuße des Deiches zu zelten, der Himmel fängt an zu gurgeln. Doch lieber ein Stück landeinwärts. Auf einem einsamen Feld am Wegesrand zelten wir und hören das Wetter in der Ferne, letzte Etappe.

Wir wollen frühstücken, haben keine Lust mehr, den Wasserkocher nochmal aus zu packen. Unsere erste Raststätte (die Dorf-Cafes hatten alle noch geschlossen) war dummerweise auch die letzte vor der dänischen Grenze, und irgendwo Ferienanfang ... Zivilisation.

Es war ein sagenhaft schöner Törn, die Nordsee hat doch nochmal eine ganz andere Energie als die Ostsee! Und so einsam! Ideal für unser kleines Boot, dieGroßen segeln wohl eher außen herum. Und auch hier muß ich sagen, einen Motor will ich nicht haben. Klar war es unbequem nach Tammensiel rein zu kommen, auch der Hafen von Hörnum war kniffelig, oder die Ausfahrt durch das Seegat zwischen Sylt und Amrum. Aber es geht, wir arbeiten an unseren Nerven, unseren Fähigkeiten und begrüssen freundlich unsere Schutzengel ...

Sicher wird es nicht unser letzter Törn durch diese wunderbare Landschaft gewesen sein. Wir waren voll im Trend. Auf der Rückfahrt hören wir in den Nachrichten, dass das Wattenmeer jetzt Weltkulturerbe ist – wir finden völlig zu
Recht.


Markus Willkomm & Inken Greisner
inkus GER 2396

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